Mittwoch, 6. Februar 2013

Auch in den dunklen Zeiten und in den Widrigkeiten das Wirken Gottes suchen

Paul Herzog von Oldenburg

Beim Angelus am 12. November 2012 sagte Papst Benedikt XVI. einige für mich besonders bewegende Worte:

„Die allerseligste Jungfrau stehe uns allen bei, die gegenwärtige Zeit in Erwartung der Wiederkunft des Herrn zu leben, dabei Gott innig zu bitten: »Dein Reich komme!« und jene Werke des Lichts zu tun, die uns immer näher zum Himmel bringen, im Bewusstsein, dass Gott in den widrigen Geschehnissen der Geschichte fortfährt, sein Reich der Liebe zu errichten.“

In unseren Tagen häufen sich wahrlich die „widrigen Geschehnisse“. Nicht nur in der Welt, sondern auch in der Kirche sieht die Zukunft düster aus: Kirchenaustritte, Mangel an Berufungen, immer weniger Gottesdienstbesucher usw.

Welche soll unsere innere Einstellung gegenüber diesen Widrigkeiten sein? Jedenfalls dürfen wir nicht die Hoffnung verlieren, sondern gewiss sein, dass Gottes Allmacht schließlich über die Mächte der Finsternis siegen wird. Diese Haltung ist natürlich gut, lobenswert und richtig.

Aber der Papst ermutigt uns zu mehr, und zwar, Gottes Wirken auch dann zu sehen, wenn es nicht so offensichtlich ist. Wir müssen dafür lernen, mit den Augen des Glaubens und der Gnade zu sehen. Wir müssen genau hinhören, um herauszufinden, wo der Geist Gottes weht. Wir müssen auch über unseren Schatten springen, damit wir die Dinge sehen, die außerhalb unseres Blickwinkels stehen, die aber dennoch da sind.

Um das zu erreichen, empfiehlt es sich, das Leben von Heiligen und sonstigen frommen Personen zu betrachten, die besonders eng mit dem Heiligsten Herzen Jesu vereinigt waren. Sie werden rasch feststellen, wie sie immer aus dem Rahmen des Gewöhnlichen fallen.

Nun möchte ich auf ein Einwirken Gottes eingehen, das mich ganz besonders stark bewegt und meines Erachtens eine außerordentliche Gnade für unser Land ist: Die Heiligsprechung von Anna Schäffer.

Die Göttliche Vorsehung wollte, dass Anna Schäffer Ende letzten Jahres heiliggesprochen wird und somit für die Menschen die jetzt leben, als Beispiel dienen soll.

Die Heilige aus Mindelstetten war aufgrund von Verbrühungen, die ihr große Schmerzen bereiteten, ans Bett gefesselt. Dementsprechend konnte sie die letzten 25 Jahre ihres Lebens nicht  arbeiten. Ihre einzige manuelle Tätigkeit war Stricken. Ihre eigentliche Beschäftigung war das Beten.

Wie fühlte sie sich dabei? Das erfahren wir beim Lesen ihrer „Gedanken und Erinnerungen“: „Und wenn sich Berge von Leiden über mich auftürmen, so vertraue ich auf Jesu, - und um so fester und inniger rufe ich: Heiligstes Herz Jesu ich vertraue auf Dich ..! Ich halte mich wo möglich in steter Geistessammlung. – daß also, wenn ich gerade mit jemandem etwas zu reden habe, - dennoch an Jesus denke… und mich Seiner Gegenwart erinnere in Liebe, Dank, Sühne und Anbetung“.

Ob sie glücklich war? „Täglich will ich auch dem lb. Gott danken, für alle Gnaden und Wohltaten. Und so bin ich allzeit glücklich und wenn ich recht viel leiden darf noch glücklicher und was mir irgendwelche Anstrengung macht, im Stricken, Schreiben, oder was ich halt grad tue, so tue ich es mit besondrer Vorliebe …“.

Nun, man könnte einwenden, sie war gar nicht glücklich, sie tat nur so. Außerdem wie hätte sie aufgrund ihrer Behinderung und Armut anders leben können.

Doch die Fakten zeigen etwas anderes: Schon zu Lebzeiten erlangte sie große Bekanntheit. Sie wurde zur Fürsprecherin unzähliger Menschen, die um ihr Gebet baten. Außerdem schrieb sie viele Briefe überall hin.

Sie war also ein wahrer Apostel des Herzens Jesu und in dieser Eigenschaft fand sie nicht nur Gott, sondern ihre eigene Bestimmung und somit ein glückliches Leben – trotz Behinderung, trotz Leiden, trotz Armut.

Dieser Mensch wurde nun heiliggesprochen und somit ist sie zum Beispiel für uns alle geworden. Eine Heiligsprechung ist etwas sehr gewichtiges und außerordentliches. Was war wohl die Absicht Gottes dabei? Denn es war Gott, Der den Heiligen Vater inspiriert hat, Anna Schäffer zur Ehre der Altäre zu erheben.

Sicherlich werden sich noch viele darüber Gedanken machen und schreiben. Doch für mich steht heute schon fest: Die Heilige Anna Schäffer zeigt uns Deutschen, dass wahres Glück nicht in viel Aktivität, in Reichtum, im Wachstum des Bruttosozialprodukts zu finden sind, sondern nur im Zusammenleben mit Gott. Hier in besonderer Weise mit dem Heiligsten Herzen Jesu, obwohl sie natürlich auch zur Allerseligsten Jungfrau Maria eine besonders innige Beziehung hatte.

Das bedeutet nicht, dass wir die Werke und das aktive Leben von nun an generell verachten sollen. Doch müssen wir sie verrichten  wie die neue Heilige: In ständiger Gegenwart Gottes, ohne aufzuhören, Ihm zu danken, zu loben, Ihn anzubeten.

Natürlich ist das nicht einfach. Doch die Gnade, die wir durch die Sakramente und das Gebet erhalten, wird uns dabei helfen. Und nun auch die Fürbitte dieser große Heiligen. Deshalb: Heilige Anna Schäffer, Bitte für uns.


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